MIT DEM „914“ AUF DEN SPUREN DER „MILLE MILIA 2000“-,

  oder: EIN KURZURLAUB IN ITALIEN MIT FOLGEN !  

 

Nach intensiver Vorbereitung und großer Vorfreude machten wir uns, meine Frau und ich, mit unserem 914/1.7 am 2.06.2000 auf den Weg in die Toskana um dort unseren Urlaub zu verbringen.  

Wir wollten einige Teilstücke der bekannten Rallye nachfahren, doch es kam ganz anders.

Der erste Reisetag führte uns entlang der A7 bis nach Kempten im Allgäu, und weiter bis in die Nähe von Seefeld in Tirol. Die 800 Km haben wir ohne Probleme gemeistert, das Dach lag im Kofferraum, unser „KLEINER“ freute sich auf die Kurven der kommenden Tage.

Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen Hotel mit „Oldtimer-Garage“; - na ja.

Doch jetzt ging es in die Alpen, und zwar auf einer der schönsten Alpenstraßen lt. ADAC-Reiseführer. Wir fuhren durch das Ötztal nach Sölden und hinauf zum „Timmelsjoch“ in 2509m Höhe.  

Die Passstraße war zwei Tage zuvor erst für den Straßenverkehr geöffnet worden, rechts und links der Straße lag noch zwei Meter Schnee. Vor uns und hinter uns viele Gruppen von Motorradfahrern, die ebenso wie wir die Serpentinen bergauf und bergab fuhren. Die Sonne schien uns ins Auto, wir machten die eine oder andere Pause und genossen die großartige Landschaft.  

Die Freude ob der schönen Berge sollte doch so gegen 15°°Uhr ein jähes Ende finden.

Ausgangs eines Tunnels, etwa 20 km auf italienischer Seite, in einer scharfen Rechtskurve kam uns auf unserer Fahrbahn ein Motorrad entgegen. Bremsen, oder etwa ausweichen war nicht mehr möglich, es ging alles viel zu schnell; trotz der max. etwa nur 30km/h. Es kam zum Unfall, wobei unser Porsche vorne links erheblich beschädigt wurde. Der Motorradfahrer schleuderte gegen die Felswand, stürzte und verletzte sich schwer.  

Durch puren Zufall war ein Wagen der Bergrettung in der Nähe; es wurde ein Rettungshubschrauber mit Notarzt, ein Krankenwagen, und natürlich auch die Polizei gerufen. Der Notarzt wurde vom Hubschrauber abgeseilt, da es keine Landemöglichkeit gab. Der Arzt machte erste Hilfe bei dem Motorradfahrer.

Drum herum waren mindestens zwanzig Motorradfahrer, es lief alles wie im Film ab.

Nach etwa drei Stunden wurde unser 914 auf einem Abschleppwagen nach St. Leonhard in Süd-Tirol gebracht, wir bezogen ein Hotel des Ortes und organisierten die Rückfahrt.  

Anruf beim ADAC in Mailand; ich hatte einen Schutzbrief, der Rücktransport unseres Autos wurde festgelegt, Lieferanschrift: PORSCHE-ZENTRUM Hannover. Wir bekamen am anderen Tag einen Leihwagen aus Rosenheim gebracht, und fuhren mit diesem frustriert nach Hause, der Porsche blieb zurück.

DER BITTERE NACHGESCHMACK EINES „KURZ“-URLAUB`S IN ITALIEN 

Nach etwa 14 Tagen traf dann auch unser Auto bei Peter-Max Müller in Hannover ein, nun begann der 2. Teil unseres Urlaubs!
Bestellung eines Gutachters; Bericht an den ADAC mit der Bitte zur Übernahme der Rechtsvertretung; Kostenvoranschlag vom PORSCHE-ZENTRUM; Unfallbericht an meine Versicherung ( HDI-Hannover ).

Nach der Kontaktaufnahme mit der gegnerischen Versicherung in Italien hieß es anfangs, ich solle die Reparaturrechnung zuschicken, wenn der Wagen fertig ist!  

Dazu muss man folgendes wissen:

Ich hatte für den 914 nach dem Kauf im Jahr 1996 bei der HDI ein Wertgutachten mit Bilddokumentation machen lassen. Danach wurde mir ein Fahrzeugwert von 17 400,-DM bescheinigt.

Nach CLASSIC-DATA hat ein 914/4 im Zustand eins einen Wert von 21 000,-DM.

Ich war mit dem Schätzwert der HDI einverstanden, da der Wagen ja kaum Zustand eins sein kann. Leichte Gebrauchsspuren sind ja immer vorhanden, zumal solche Autos ja immer nach Angebot und Nachfrage gehandelt werden.

Der von mir bestellte Unfallgutachter ( hat 1 400,-DM gekostet, wurde nicht von der italienischen Versicherung bezahlt ) bescheinigte uns einen Fahrzeugwert ( Wieder- Beschaffungswert )  von 19 800,-DM. Das PORSCHE-ZENTRUM machte mir einen Reparaturkostenvoranschlag von ca. 24 500,-DM!
 

DAS AUTO HAT EINEN TOTALSCHADEN ERLITTEN!  

Beide Schreiben schickte ich an den vom ADAC beauftragten Rechtsanwalt nach Bozen Italien; in Italien ist mittlerweile Urlaubszeit.

Nach ca. vier Wochen bekam ich ein Schreiben aus Italien, dass die Versicherung sich in Italien bei Porsche ein Gutachten eingeholt hat; :Es ist ein „altes Auto“, die Versicherung ist bereit 10 000,-DM zu bezahlen!

Wieder Brief an den Rechtsanwalt: Ich lehnte den Ausgleich der ital. Versicherung ab, und verwies auf die beiden Wertgutachten.

Nach geraumer Zeit, es war mittlerweile Ende August, zweieinhalb Monate nach dem Unfall; die Urlaubszeit in Italien war auch vorbei, bekam ich mal wieder Post aus Italien:  

„In Anbetracht des historischen Wertes des 914 ist die Versicherung bereit jetzt 15 000,-DM zu zahlen!“  

Ich hatte noch eine Kopie meiner „Fahrzeug-Identitäts-Urkunde“ des Volkswagen- Museums nachgereicht.  

Nach Rücksprache mit meiner Versicherung, der Erkenntnis, dass ein Prozess in Italien bis zu zwei Jahre gehen kann , und der Zusage, dass meine Versicherung den Restbetrag bis zum Wertgutachten ohne Abzug übernehmen werde, willigten wir in das Angebot der ital. Versicherung ein.  

Die HDI-Versicherung empfahl mir noch eine „preiswertere“ Werkstatt zu suchen, oder den Rest selber zu zahlen. Da unser 914 ein Erinnerungsstück ist, hatten wir uns für den zweiten Weg entschieden, das Auto wird bei PORSCHE hergerichtet. Mitte September erteilte ich den Auftrag, und man sagte mir zu, man würde uns preislich entgegen kommen, wenn wir ihnen Zeit lassen würden. Die Oldtimersaison war ja zuende, und man lies sich Zeit.  

 Anfang März 2001 holte ich meinen 914 pünktlich zum Frühjahr aus der Werkstatt ab, das Warten hatte ein Ende.

Er erfreut sich wieder guter Gesundheit; die Fahrten unter freiem Himmel machen wieder spaß, und der Unfall im vergangenen Juni ist hoffentlich bald vergessen.  

FAZIT, wichtig sind folgende Dinge:  „OLDTIMERVERSICHERUNG“, wenn möglich mit Wertgutachten und Vollkasko versichert.  

                                                           Man sollte sich eine Fotodokumentation des Fahrzeuges machen. 

             Bei Auslandsfahrten unbedingt den Auslands- Schutzbrief abschließen.

  Wir wünschen allen 914-PILOTEN allzeit gute Fahrt,

ein schönes, friedvolles Weihnachtsfest und einen 

   guten Rutsch ins neue Jahr - und immer schön vorsichtig!

                                                                                       Euer Gert Neumann